Sergej nahm die geplante rechtliche Neubewertung der Arbeit von Sexarbeitern zum Anlass, Andreas von der Organisation querstrich, einem Projekt für und von Callboys, zu seiner Arbeit zu befragen.
Was bietet querstrich?
Die Angebote von querstrich richten sich an selbstständig arbeitende Callboys,
die ihre Sexarbeit als frei gewählten Beruf professionell ausüben. Wir sind
Ansprechpartner für alle Fragen, die mit Sexarbeit zusammenhängen. Wichtig
dabei ist, das wir eigene praktische Erfahrung haben. Wir haben eine Hotline,
bieten persönliche Treffen an und pflegen eine Website. Wir halten außerdem
Kontakt zu anderen Prostituiertenorganisationen wie Hydra und organisieren
einmal im Monat einen Stammtisch für Callboys. Ähnlich wie beim Arbeitsamt
bieten wir eine Berufsberatung. Wir klären, ob die Erwartungen an den Beruf
mit der Realität übereinstimmen, geben aber auch praktische Tipps zu
Werbemöglichkeiten, Preisgestaltung, Verhalten am Telefon und Arbeitsschutz.
Wie sieht Eure Klientel aus?
Den typischen Callboy gibt es nicht. Alter, Aussehen und Angebote sind so
vielfältig, wie die Wünsche der Kunden. Sie sind älter als die Stricher auf
der Straße, meist zwischen 20 und Mitte 30. Ich kenne aber auch einen
Callboy, der dieses Jahr sein 40-jähriges Dienstjubiläum feiert. Einige
üben die Arbeit hauptberuflich über viele Jahre aus, andere sehen sie als
Ausgleich zu ihrem Bürojob oder finanzieren damit ihr Studium.
Gewalt gegen Sexarbeiter. Was gibt querstrich für Tipps?
Man sollte selbstbewusst auftreten, aber auch die Ängste der Kunden abbauen.
Wichtig ist ein klarer Kopf und Vertrauen in das eigene Gefühl. Lieber eine
Nummer sausen lassen, wenn einem die Situation komisch vorkommt. Bei Hausbesuchen
sollte man Adresse und Telefonnummer kontrollieren.
Was für Tipps gebt ihr den Kunden?
Bei einem Date in der Wohnung eines Callboys kann man sich sicher fühlen,
da man die Telefonnummer und Adresse hat. In Stricherkneipen kann man sich
beim Barkeeper erkundigen, welche Jungen zuverlässig sind. Wer jedoch auf
dem Strich Notsituationen ausnutzt und auf Dumpingpreise besteht, setzt sich
eher einer größeren Gefahr aus. Es sind die gleichen Tipps, die für Callboys,
Kunden, aber auch private Dates gelten: Nicht zuviel Geld oder Wertsachen
mitnehmen oder offen liegen lassen, den anderen fair behandeln und ernst
nehmen. Wer ganz sicher gehen will, kann vor einem Date einem Freund
Bescheid sagen und einen festen Rückruftermin vereinbaren.
